Besuch bei einer Beduinenfamilie in Mishor Adumim

Abseits einer Schnellstraße von Jerusalem in Richtung Totes Meer erreichen wir auf holprigen Wegen das Zuhause der Familie Suleman. Seit mehr als 50 Jahren leben sie an diesem Ort. Eine Familie mit fünf heranwachsenden Söhnen, dem Familienoberhaupt und seiner Frau. Wir bekommen die Frau kaum zu Gesicht. Dürfen aber das köstliche Mittagessen später genießen, was sie ganz ohne Unterstützung für unsere 15 köpfige Gruppe in ihrem Koch Zelt für uns zubereitet.

Ich sage Zelt, weil ich mir das bei den Beduinen so vorgestellt habe. Doch in Wahrheit sind ihre Behausungen aus Industrieschrott zusammengebaut. Es gibt eine Unterkunft für die Männer, für die Frau und für die Gäste. Hier nehmen wir auf Matratzen und Teppichen Platz, bekommen Kaffee und Tee und passen auf, das wir unsere nackten Fusssohlen nicht zeigen. Wir stellen uns Suleman auf arabisch oder englisch vor und haben ein lockeres Gespräch mit ihm. Schnell ist ausgemacht, das Rainer, Propst von Jerusalem und der Älteste in unserer Runde, unser „Oberhaupt“ für Suleman ist. Sulemans Söhne beschäftigen sich derweil mit ihren Handys.

Sulemans Ältester hat gerade eine 18 jährige Verwandte geheiratet. In Familienehen besteht ein hohes Risiko, eine Erbkrankheit zu bekommen. Die Kinder gehen mindestens bis zu ihrem 12 Lebensjahr zur Schule, um Lesen und Schreiben zu lernen. Es gibt unter den Beduinen natürlich auch welche, die ihren Hochschulabschluss machen.

Aus einer Kaufmannsstadt kommend, frage ich Suleman, wovon die Familie denn lebt. Die Antwort ist überraschend einfach. Sie besitzen ca. 160 Schafe und Ziegen. Sie machen Käse, den wir später in einer leckeren Suppe kosten dürfen. Aber vor allem dürfen sie das ganze Jahr in einem Laden anschreiben und wenn ihre Tiere geschlachtet werden, bezahlen sie damit ihre Schulden. Der Blick in die Wüste ringsum, so weit das Auge reicht, ergab die nächste Frage. Was fressen die Tiere denn? Suleman muss das Futter kaufen. Täglich kostet ihn das 300 Schekel. Das ist viel Geld!

Das ist ein Klo!

Das Beduinen Leben erscheint mir als Europäerin unfassbar schwer. Für Familie Suleman ist der Ort in der Wüste ihre geliebte Heimat, seitdem sie 1948 nach der Staatsgründung Israels aus der Negev Wüste in die Gegend um Jerusalem vertrieben wurden.

Holz für den Winter, voller Asbest

Die israelische Regierung und insbesondere die Siedlerbewegung möchte die Wellblechhüttendörfer abreißen. Suleman sprach nicht mit uns über diese Pläne.

Als wir wieder zurück in Jerusalem waren, sehnte ich mich nach der unglaublichen Stille in der Wüste und träume davon, eine Nacht dort unter dem Sternenhimmel verbringen zu dürfen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Hanna sagt:

    Das klingt sehr berührend – ein Blick in eine Welt, die hier im reichen Hamburg nicht vorkommt. Es ist gut, an deinen Ein- und Ausblicken teilhaben zu können

    Gefällt mir

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