Die Heilige Nacht

Vor der Erlöserkirche in der Altstadt von Jerusalem

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Das Wort von der Hoffnung , Jesaja 9

Stimmt das? Um es herauszufinden, machten wir uns gegen 0.30 Uhr in der Nacht zum ersten Weihnachtstag auf den Weg von der Altstadt in Jerusalem zur Geburtskirche nach Bethlehem. Meine Tochter Stella, ihr Freund Ferdinand und ich wanderten mit vielen Anderen gute drei Stunden bis zur Mauer und über die Grenze nach Palästina.

Kurze Rast bei eisiger Kälte vor der Mauer

Zuvor hörten wir in der Christmette die Weihnachtsgeschichte auf Arabisch, Hebräisch, Deutsch und Englisch. Da macht sich auf auch Josef aus Nazareth, mit seiner schwangeren Frau Maria. Und sie gebar ihren ersten Sohn und legte ihn in eine Krippe. Und es waren Hirten in derselben Gegend und ein Engel sprach zu ihnen: Fürchtet Euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren…

Silent night, holy night!

Wir sind keine Hirten, sondern ein bunt gemischter Haufen von Volontären, Theologiestudenten und IsraelbesucherInnen. “Kommet ihr Hirten” singen wir trotzdem, während wir durch die schönen, stillen Straßen der German colony laufen. Hier in West Jerusalem erinnern mich die hippen Cafés und die vielen kleinen Läden an Ottensen. Auch der Mietenspiegel ist entsprechend. Das heimische Gefühl verliere ich auf der Hebron Road, eine ewig lange Schnellstraße, auf der wir schließlich unser Ziel erreichen. Drei Stunden wanderten wir auf Asphalt, geblendet vom Scheinwerferlicht der vorbei rasenden Autos. Die von israelischen Soldaten mit Maschinengewehren bewachte Grenze in das Palästinensische Autonomiegebiet Zone A erscheint mir in der Nacht noch bedrohlicher als am Tag. Ich denke an die Weihnachtsgeschichte. Ich bin kurz vor dem Ort des Geschehens. Alles erscheint mir surreal.

Checkpoint Bethlehem

Doch dann laufen wir durch die Stadt und staunen über ein weihnachtliches Lichtermeer. Unübersehbar haben die vielen christlichen Konfessionen in Bethlehem den Geburtsort Jesus für die Millionen von Pilgern, die auch in diesem Jahr zum Weihnachtsfest herbei strömten , vorbereitet.

Wir steuern die Geburtskirche an und betreten sie durch eine extrem niedrige Tür aus osmanischer Zeit, der Demutspforte. Vor der Geburtsgrotte, in der die Stelle, wo Jesus angeblich geboren wurde durch einen silbernen Stern mit 14 Zacken markiert ist, hat sich eine große Menschenmenge aus der ganzen Welt angesammelt. Es ist 3.30 h und ich stelle mir vor, wieviele Gläubige am Heiligen Abend hier wohl schon anstanden.

Geburtskirche in Bethlehem

In der Katharinenkirche nebenan versammeln wir uns ein letztes Mal. Melanie, die Pastorin aus der Erlöserkirche, die uns durch die Nacht geführt hat, spricht eine kurze Andacht. Währenddessen werden die Kameras abgebaut, die um Mitternacht die Weihnachtsmesse von hier in alle Welt übertragen haben. Wir singen, nein wir schmettern aus voller Kehle “O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!”

Und das Kind hat einen Ort in mir gefunden, während ich noch auf der Suche danach war.

Frohe Weihnachten!

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. karlheinzgoetsch sagt:

    Liebe Nicole,

    sei herzlich umärmelt und anbei unser Weihnachtsgruß:

    Weihnachtsgrüße vom Spritzenplatz 2019 Ihr Lieben in Nah und Fern

    …… und wieder einmal ist ein Jahr mit Höhen und Tiefen wie im Fluge an uns vorüber gerauscht und nun wünschen wir Euch allen Frohe Festtage und einen guten Start in ein friedliches Neues Jahr 2020.

    Herzliche Grüße

    Christa, pitti und Benni

    Karlheinz Goetsch Bahrenfelderstr. 98 22765 Hamburg T: 0049 40 3900434 M: 0049 179 6980421 E: karlheinz_goetsch@magicvillage.de >

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  2. Nadja sagt:

    Liebe Nicole,
    Fröhliche Weihnachten!
    Wie ist es schön deine Berichte zu lesen Un bei diesem musste ich so sehr an unsere gemeinsame Reise denken:-)
    Viele liebe Grüße
    Nadja

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  3. Annegret sagt:

    Liebe Frau Christiansen,
    eine sehr schöne Weihnachtsbeschreibung. Danke, dass Sie mich bzw. Ihre Leser an dieser intensiven weihnachtlichen Erfahrung teil haben lassen. Alles Gute für Sie und Ihre Lieben.

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